Home Biografien & Erinnerungen Alexandra Kollontai oder: Revolution für das Leben von Katharina Volk (Hg.)

Alexandra Kollontai oder: Revolution für das Leben von Katharina Volk (Hg.)

by BuecherKatze

Alexandra Kollontai war eine der wichtigsten Persönlichkeiten der russischen Revolution von 1917 und eine Vorreiterin der feministischen Bewegung. Ihr Kampf gegen die Unterdrückung von Frauen, ihre fortschrittliche Einstellung zu Themen wie Sexualität und Familienleben machten sie zu einer kontroversen Figur in der Geschichte des Sozialismus.

Kollontai gehörte als erste Frau dem revolutionären russischen Kabinett an und war damit gleichzeitig die erste Ministerin der Welt. Als Volkskommissarin setzte sie sozialreformerische Ideen um und engagierte sich für eine stärkere Bedeutung der Frau in der sowjetischen Gesellschaft. Sie kritisierte wiederholt die Führer Lenin und Stalin, unterstützte später aber Stalin und dessen Politik. Sie war das einzige Mitglied des Zentralkomitees der KPdSU, das die in den 30er Jahren von Stalin initiierte große Säuberung überlebte.

Es ist bemerkenswert, wie visionär und fortschrittlich die Ideen von Alexandra Kollontai heute noch sind, mehr als hundert Jahre nach der Russischen Revolution. Ihr Buch „Liebe und die neue Moral“ (1923) war eine mutige und provokative Manifestation ihrer Überzeugung, dass die sozialistische Revolution nur erfolgreich sein könne, wenn sie nicht nur die ökonomischen Beziehungen, sondern auch die persönlichen Beziehungen und die Geschlechterverhältnisse grundlegend verändert.

Kollontai trat dafür ein, die Trennung von Arbeit und Liebe und die Unterwerfung von Frauen unter Männer durch die Institution der Ehe zu überwinden. Sie argumentiert, dass die traditionelle Ehe als Instrument der männlichen Unterdrückung und weiblichen Abhängigkeit fungiert. Der idealistische Gedanke, dass Liebe und Ehe untrennbar miteinander verbunden sind und Menschen nur dann glücklich sein können, wenn sie einen monogamen Partner haben, wird von ihr scharf kritisiert. Stattdessen plädiert sie für eine freie Liebe, in der es Menschen offen steht, ihre emotionalen und sexuellen Bedürfnisse zu erfüllen, ohne von gesellschaftlichen Normen und Zwängen eingeschränkt zu werden.

Kollontai geht sogar noch weiter und versteht Elternschaft als etwas, das nicht auf die traditionelle Zweierbeziehung von Mutter und Vater beschränkt sein sollte. Sie fordert, dass die Gesellschaft als Ganzes für die Erziehung der Kinder verantwortlich sein sollte. In ihrem Buch „Kommunismus und Familie“ (1920) schreibt sie: „Die Gesellschaft muss die Verantwortung übernehmen, Kinder zu gebären, aufzuziehen und großzuziehen und sie mit allen notwendigen Dingen zu versorgen, ohne Ausnahme.“

Diese Ideen von Kollontai sind revolutionär und utopisch, aber auch heute noch sehr relevant, in einer Zeit, in der die traditionelle Familie und die Geschlechterrollen in Frage gestellt werden und in der Solidarität und Gemeinschaft über Grenzen hinweg notwendiger sind denn je

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