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Tödliche Hilfe von Brigitte Erler

by BuecherKatze

Brigitte Erler hat ihr Leben der Entwicklungshilfe gewidmet. Sie hat zahlreiche Dienstreisen in Entwicklungsländer unternommen, um vor Ort zu helfen und Projekte zu unterstützen. Doch nach ihrer letzten Dienstreise nach Bangladesch kündigte sie hren Job beim Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit. In ihrem Buch „Tödliche Hilfe, Bericht von meiner letzten Dienstreise in Sachen Entwicklungshilfe“ beschreibt sie schonungslos ihre Erlebnisse und kommt zu einem erschütternden Fazit: Entwicklungshilfe richtet oft mehr Schaden als Nutzen an und müsse sofort eingestellt werden.

Erler schildert in ihrem Buch, wie die Entwicklungshilfe oft an der Realität vorbeigeht. Gelder fließen in fragwürdige Projekte, die nicht immer nachhaltig sind und keine langfristigen Verbesserungen bringen. So berichtet Erler von einem Projekt, bei dem es darum ging, den Bauern höhere Erträge durch den Einsatz von moderner Technik zu ermöglichen. Doch statt den Bauern vor Ort zu fragen, welche Technik sie wirklich brauchen, wurde eine teure Maschine angeschafft, die sich als ineffektiv und unbrauchbar erwies.

Ein weiteres Beispiel zeigt die gravierenden Auswirkungen von falsch eingesetzter Entwicklungshilfe auf die lokale Wirtschaft. In einem Dorf, in dem das Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit ein Projekt zur Förderung von Mikrokrediten durchführte, wurde der lokale Markt durch im Ausland gefertigte Produkte überflutet. Die örtlichen Händler konnten mit den Billigprodukten aus dem Ausland nicht konkurrieren und mussten ihre Geschäfte schließen. Die Mikrokredite brachten also nicht den erhofften Wohlstand für die Bevölkerung, sondern führten zu Armut und Arbeitslosigkeit.

Erler geht in ihrem Buch auch auf die politischen Aspekte der Entwicklungshilfe ein. So zeigt sie auf, wie Entwicklungshilfe oft als Mittel der Diplomatie eingesetzt wird und Länder nur dann Hilfe erhalten, wenn sie bestimmte politische Forderungen erfüllen. Dies führt oft dazu, dass fragwürdige Regime unterstützt werden und die Bevölkerung darunter leidet.

Das Fazit von Erler ist klar und eindeutig: Die Entwicklungshilfe muss eingestellt werden. Die Gelder sollten stattdessen direkt an die Menschen vor Ort fließen, die am besten wissen, was sie wirklich brauchen. Entwicklungshilfe sollte sich an den Bedürfnissen der Menschen orientieren und nicht an den politischen Interessen von Ländern oder Organisationen.

Brigitte Erler hat mit „Tödliche Hilfe“ nicht nur ein aufrüttelndes Buch geschrieben, sondern auch eine Debatte angestoßen, die bis heute von großer Relevanz ist. Das Buch ist bereits 1985 erschienen, aber bis heute hat das Thema nichts an Brisanz verloren.

Brigitte Erler selbst hat ein bewegtes Leben hinter sich. Sie wurde 1943 in Berlin geboren und studierte Geschichte, Latein und Politikwissenschaften. 1970 trat sie der SPD bei und arbeitete seit 1972 für das Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und wurde zur Expertin für wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Entwicklungsländern. Nach ihrer letzten Dienstreise nach Bangladesch verließ sie jedoch ihren Job und veröffentlichte das Buch „Tödliche Hilfe“. Von 1985 bis 1989 war Brigitte Erler Generalsekretärin der Deutschen Sektion von Amnesty International. Bis heute ist sie eine wichtige Stimme in der Debatte um Entwicklungshilfe und engagiert sich für eine bessere Welt.

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