„Mein Zaubergarten“ von Johanna Basford ist das Buch, mit dem Ausmalbilder für Erwachsene aus der Bastelecke in die Buchhandlungen gewandert sind. Ursprünglich auf Englisch als „Secret Garden“ erschienen, hat es sich weltweit millionenfach verkauft und eine ganze Welle von Nachahmern ausgelöst. Wer es aufschlägt, findet keine Geschichte, keinen Text, keine Anleitung: nur schwarze Tuschelinien auf weißem Grund, Seite für Seite.
Johanna Basford ist Illustratorin aus Schottland und zeichnet ihre Vorlagen von Hand mit der Feder, nicht am Rechner. Das merkt man den Linien an, sie sind ungleichmäßig, mal haarfein, mal kräftig.
Was zwischen den Buchdeckeln steckt
Der Garten ist als Weg angelegt: Man betritt ihn durch ein Tor, folgt Ranken über Doppelseiten, stößt auf Gießkannen, Schmetterlinge, Vögel, Eulen und Blütenkelche, die sich über den ganzen Bogen ziehen. Am Anfang steht eine kleine Schatzsuche, eine Liste versteckter Tiere und Gegenstände, die man beim Ausmalen aufspüren soll. Das ist der eigentliche Reiz: Man malt nicht nur aus, man sucht auch. An mehreren Stellen bleiben Flächen bewusst leer, damit man selbst weiterzeichnet, eigene Blüten ansetzt oder ein Muster erfindet. Diese offenen Seiten sind der schwierigste Teil des Buches, weil sie mehr verlangen als das Ausfüllen fertiger Felder.

Die Motive sind dicht. Wer feine Flächen mag, ist hier richtig. Wer große, ruhige Formen sucht, wird das Buch nach drei Seiten weglegen.
Papier, Stifte und das Durchdrücken
Das Buch ist beidseitig bedruckt, und daran scheitern die meisten Ersttäter. Filzstifte und Marker schlagen durch und ruinieren die Rückseite, besonders bei den großflächigen Blättern. Buntstifte, Aquarellstifte und dünne Fineliner sind die sichere Wahl, dazu ein Blatt Karton unter der jeweiligen Seite. Das quadratische Format lässt sich flach aufschlagen, die Bindung hält das aus, aber die Motive laufen über den Falz, sodass man in der Mitte etwas Druck braucht. Eine gefüllte Doppelseite beschäftigt einen ganzen Abend, oft länger.
Ausmalbilder zum Ausdrucken als Ergänzung für Kinder
Sobald jüngere Kinder am Tisch sitzen und mitmachen wollen, stößt das Buch an seine Grenzen: Die Linien sind zu fein, die Flächen zu klein, und jede Seite ist nur einmal vorhanden. Kinder brauchen klar geschlossene Konturen und größere Felder, damit der Buntstift nicht ständig über den Rand rutscht. Für diesen Fall lohnt sich ein Stapel ausgedruckter Blätter neben dem Buch, und bei Malvorlagen-ausmalbilder gibt es genau solche Motive kostenlos und ohne Anmeldung, vom Mops unter dem Regenbogen für Fünf- bis Siebenjährige bis zum Schneemann im Garten für die Acht- bis Zwölfjährigen, jeweils als PDF zum Ausdrucken oder als PNG zum Speichern. Der praktische Vorteil solcher Malvorlagen: Ein misslungenes Blatt druckt man einfach noch einmal aus, während eine verpatzte Buchseite verpatzt bleibt.

Für wen sich das Buch lohnt
„Mein Zaubergarten“ passt zu Jugendlichen ab etwa zehn Jahren und zu Erwachsenen, die abends eine halbe Stunde lang nichts entscheiden wollen. Wer schon Basfords spätere Bände kennt, etwa „Mein verzauberter Wald“ oder „Verlorener Ozean“, bekommt hier den Ursprung mit den ruhigsten Motiven. Als Geschenk funktioniert es gut, weil niemand zeichnen können muss.
Weniger geeignet ist es für alle, die gern mit Filzstiften arbeiten, für Kinder unter acht und für Menschen, die ein fertiges Bild am selben Abend sehen wollen. In diesen drei Fällen sind einzelne Ausmalbilder auf kräftigem Druckerpapier die bessere Wahl.
