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Das Wittgensteinprogramm von Philip Kerr

by BuecherFee

In Philip Kerrs Thriller „Das Wittgensteinprogramm“ begleiten wir Chief Inspector Jakowicz bei der Jagd auf einen Serienmörder, der sich selbst Wittgenstein nennt und seine Opfer aufgrund seiner philosophischen Überzeugungen auswählt.

Die Handlung spielt im Jahr 2013 in London, wo Gewalt an der Tagesordnung scheint. Doch auch in diesem rauen Umfeld stellt Wittgenstein eine neue Dimension des Grauens dar. Er durchkämmt die Datenbanken des Polizeicomputers, um an Informationen über potenzielle Mörder zu gelangen und diese dann selbst umzubringen. Die Ermittler stehen vor einem Rätsel: Hat Wittgenstein das perfekte Verbrechen geschaffen?

Die Charaktere sind authentisch und gut ausgearbeitet. Insbesondere Jakowicz, der ein sehr persönliches Motiv hat, den Mörder zu fangen, erscheint als sympathischer Protagonist. Auch die Nebenfiguren, wie der Computerspezialist Chung und der Philosophieprofessor Lang, tragen zum Plot bei. Durch sie erhält der Leser zusätzliche Informationen über Wittgensteins Überzeugungen und Motivationen.

Die Geschichte ist spannend und gut durchdacht. In vielen Kapiteln wechselt die Erzählperspektive, was oft dazu führt, dass man als Leser mehr weiß als die Ermittler. Dadurch wird die Spannung zusätzlich gesteigert und das Ende bleibt unvorhersehbar.

Besonders interessant und ungewöhnlich ist der Bezug zur Philosophie. Wittgenstein, der sich nach dem bedeutenden Denker benennt, rechtfertigt seine Morde aufgrund logischer Überlegungen. In Gesprächen mit den Ermittlern oder den Philosophen wird immer wieder auf Wittgensteins Theorien eingegangen und seine Gedankenwelt verdeutlicht. Dadurch wird das Buch auch für Personen interessant, die sich für Philosophie und Ethik interessieren.

Philip Kerr war vor allem bekannt für seine erfolgreiche Bernie-Gunther-Reihe, in der er einen Kriminalkommissar im nationalsozialistischen Deutschland der 30er und 40er Jahre in Szene setzt. Auch in „Das Wittgensteinprogramm“ bleibt er dem Krimi-Genre treu und schafft es erneut, den Leser zu fesseln. Kerrs gewohnt lakonischer Schreibstil und seine Fähigkeit, komplexe Sachverhalte anschaulich zu beschreiben, tragen dazu bei, dass das Buch keine Längen hat und angenehm zu lesen ist.

Leider ist „Das Wittgensteinprogramm“ Kerrs letztes Buch, da er im März 2018 verstorben ist. Ihm gebührt jedoch ein großer Dank für dieses packende Buch, das zeigt, dass auch Krimis anspruchsvoll und geistreich sein können.

Insgesamt ist „Das Wittgensteinprogramm“ ein fesselnder Thriller mit philosophischem Einschlag. Philip Kerr beschreibt eine düstere Welt, in der auch die Ermittler nie sicher sein können, wer Freund oder Feind ist. Die Verbindung von spannendem Plot und philosophischen Überlegungen macht das Buch besonders und lässt es auch nach dem Lesen noch nachwirken.

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