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Die Dinge von Georges Perec

by BuecherChaotin

Georges Perec zählt zu den bedeutendsten Schriftstellern des 20. Jahrhunderts. Geboren 1936 in Paris, verlor er seine Eltern im Zweiten Weltkrieg und wuchs bei seinem Onkel auf. Georges Perec startete 1949 eine Psychotherapie bei Françoise Dolto. Obwohl er sein Studium der Geschichte und Soziologie abgebrochen hatte, konnte er dank seines Philosophielehrers Jean Duvignaud bereits zu dieser Zeit Artikel und Berichte bei renommierten literarischen Zeitschriften wie der Nouvelle Revue française und Les Lettres Nouvelles veröffentlichen.

Eines seiner beeindruckendsten Werke ist zweifellos „Die Dinge“. Erschienen im Jahr 1965, erzählt es die Geschichte einer französischen Familie, die im Wirtschaftswunder der 1960er Jahre versucht, ihren sozialen Aufstieg durch den Kauf von Konsumgütern zu erreichen. Dabei wird der Fokus nicht auf die Figuren gelegt, sondern auf die Dinge, die sie umgeben. Perec beschreibt jedes Möbelstück, jedes Gerät, jedes Kleidungsstück minutiös und genauestens. Es geht ihm nicht um die Funktion der Dinge, sondern um ihre Ästhetik, ihren Geruch, ihr Material.

Auf diese Weise entsteht ein Bild der Konsumgesellschaft, das erschreckend realistisch und gleichzeitig absurd ist. Es ist eine Gesellschaft, in der die Dinge den Menschen beherrschen und nicht umgekehrt. Die Beschreibungen werden immer detaillierter und obsessiver, bis hin zu den unscheinbarsten Gegenständen. Es ist ein Sog, dem man sich nicht entziehen kann. Die Leserinnen und Leser werden eingesogen in eine Welt, die scheinbar nur aus Dingen besteht.

Doch es geht Perec nicht nur um die Kritik an der Konsumgesellschaft. Es ist auch eine Hommage an das Unsichtbare, an das, was zwischen den Dingen liegt. Perec beobachtet das Leben und beschreibt es bis ins kleinste Detail. Seine Literatur ist ein Versuch, das Leben in all seiner Vielfalt und Schönheit festzuhalten. „Die Dinge“ zeigt, dass Schönheit nicht nur in den großen Dingen, sondern auch in den kleinen Details steckt.

Georges Perec war ein Meister darin, das Unscheinbare sichtbar zu machen. Sein Schreibstil ist einzigartig und unverwechselbar. Er liebte es, mit Sprache zu spielen, mit Worten zu jonglieren und ungewöhnliche Perspektiven einzunehmen. Sein Werk war immer ein Experiment, ein Versuch, die Grenzen der Literatur auszuloten.

Leider hatte Perec nur eine kurze Schaffensphase. 1982 verstarb er im Alter von nur 46 Jahren an Krebs. Doch seine Werke leben weiter und haben bis heute nichts von ihrer Aktualität und Relevanz verloren. „Die Dinge“ ist ein Buch, das man immer wieder zur Hand nehmen kann, um sich an der Schönheit des Unsichtbaren zu erfreuen.Georges Perec war ein Autor, der sich nie in eine Schublade stecken ließ. Seine Werke sind einzigartig und stilprägend. Er war ein Vertreter der französischen Oulipo-Bewegung, die sich der Einschränkung in der Literatur verschrieben hatte. Dabei sollte die Kreativität durch das Setzen von Regeln und Beschränkungen gefördert werden. Das Ergebnis sind Werke, die oft überraschend und innovativ sind.

Insgesamt ist „Die Dinge“ ein Meisterwerk der Literatur, das jedem ans Herz gelegt sei. Es ist eine Kritik an der Konsumgesellschaft, aber auch eine Ode an das Leben selbst. An die Dinge, die uns umgeben, aber auch an das, was zwischen den Dingen liegt. Ein Buch, das noch lange nach dem Lesen nachhallt und zum Nachdenken anregt. „Die Dinge“ ist ein Experiment, das zeigt, dass Literatur nicht immer einer klaren Struktur folgen muss. Die Dinge sind die Figuren, die Handlung findet zwischen den Zeilen statt. Es ist ein Buch, das nicht nur zu lesen ist, sondern auch zu fühlen und zu riechen. Für alle, die sich für Literatur jenseits des Mainstreams interessieren, ist Georges Perec „Die Dinge“ eine ausgezeichnete Wahl.

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